Studienfahrt nach Krakau 2017

Crakow/ Krakau 05.11. bis 10.11.2017

Zum dritten Mal beteiligt sich die Eichenschule an einem Dreiländer-Projekt. Schülerinnen und Schüler einer englischen-, einer polnischen- und der Eichenschule treffen sich in Krakau. Gemeinsam diskutieren sie über Unterschiede, Vorurteile und Gemeinsamkeiten. Der Austausch dient der Verständigung vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Besuch des Vernichtungslagers Oswiemce (Auschwitz/Birkenau).

 Weitere Erfahrungen und Eindrücke sammeln wir bei einer Führung durch das jüdische Viertel Krakaus, beim Besuch von Schindlers Fabrik und der Besichtigung einiger der zahlreichen Kirchen und der Universität.

 Es ist faszinierend zu sehen, wie schnell und unkompliziert die Jugendlichen – alle sind zwischen 17 und 18 Jahre alt – miteinander ins Gespräch kommen. Als ich bei einer Diskussionsrunde zu einer der Gruppen stoße und frage, welches der Themen des 19 Punkte umfassenden Fragenkatalogs, der gerade bearbeitet wird, denn gerade diskutiert werde, erhalte ich von einer freundlichen polnischen Schülerin nach kurzem Zögern die kesse Antwort: „We’re just discussing question number 20.“

 Bei all den ernsthaften Diskussionen wurde viel gelacht und es gab viel Austausch über die alltäglichen des Lebens – eben einen lebendigen Austausch.

 Gespannt warten Frau Heyber und ich nun auf die Berichte unserer Schülerinnen und Schüler, die ihren „besonderen Moment“ der Reise sprachlich festhalten sollten.

Außerdem haben wir verabredet, für den Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz am

  1. Januar einen Raum in der Schule gemeinsam zu gestalten.

 Die auf dieser Reise gewonnen Eindrücke werden wir erst nach und nach verarbeiten können.

 Stephan Anders

 

 

Kurze Erläuterung zu den Bildern:

Der Schreibtisch gehörte Schindeler, aufgenommen im Museum Schindler Fabrik;

Stuhlinstallation in Krakau, jeder Stuhl steht für 10.000 jüdische Mitbürger Krakaus, die deportiert wurden;

Die Ausstellungsvitrine steht im Stammlager Auschwitz.

Studienfahrt nach Krakau 2015

Die Texte und Fotos wurden von den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern selbst verfasst und noch während der Studienfahrt auf unsere Homepage hochgeladen.

1. Tag: Anreise

Sonntagnachmittags sollte es losgehen. Treffen war am Hamburger Flughafen. Da ein lokaler Fußballverein ein Spiel hatte, standen manche im Stau. Letztendlich war das aber kein Problem, wir hatten genug Zeit eingeplant. 

Nachdem wir eine halbe Stunde länger auf den Flug warten mussten, da am Flughafen sonntags anscheinend temporär gearbeitet wird, ging es los in Richtung Krakau. Mittlerweile war es duster und man konnte Hamburg und Krakau von oben bewundern. Es war ein ruhiger Flug.

In Krakau gelandet, wurden wir von einen Bus abgeholt, damit wir die 20 Meter vom Flugzeug zum Gebäude nicht laufen mussten. Sehr nette Geste. 

Nachdem wir unser Gepäck geholt hatten trat kurz Verwirrung auf, wie es zum richtigen Bus geht und welche die richtige Linie ist. Herr Cramer übernahm die Verantwortung und lotste uns souverän zum richtigen Bus. Dieser brachte uns in die Innenstadt und nach einem kurzen Marsch erreichten wir unser Hotel Delta, für Alpha hat es wohl nicht gereicht. Das Hotel ist übrigens recht schön und klein.

Der Abend klang, nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, in einer entspannten Runde in der Lounge des Hotels aus.

2. Tag:Tour durch Krakau - Judenviertel 

 

Heute begann der erste, "richtige" Tag in Krakau. Wir starteten mit einem ausgewogenen Frühstück. 

Das Frühstück war gewöhnungsbedürftig, aber ausreichend für ein Hotel.

Nach dem Essen brachen wir zum jüdischen Viertel "Kazimierz" auf, um dort erste Eindrücke vom Stadtkern zu erlangen.

Wir trennten uns auf dem Weg dorthin und aßen zu Mittag. Danach trafen wir uns in Kazimierz. Der Kern des Viertel besteht aus einer Art Flohmarkt, auf dem man sehr spezielle Dinge wie z.B. Säbel, Abzeichen, Uniformen und Helme aus dem Zweiten Weltkrieg kaufen konnte. Das hat jedoch keiner getan. Dort trafen wir dann auch auf die Engländer. Ihre Gruppe besteht aus 10 Mädchen und 1 Jungen. 

Gemeinsam ging es dann mit einem Guide durch das jüdische Viertel. Wir besuchten einen Drehort des Filmes "Schindlers Liste" und mehrere Synagogen. Eine von diesen konnten wir dann auch betreten. Dort mussten alle Männer eine Kippa tragen. Außer dem Innenraum haben wir dann noch einen Friedhof besichtigt, wo wir gelernt haben, dass auf jüdischen Friedhöfen keine Blumen platziert werden, da diese "vergänglich" sind. Anstelle von Blumen platziert man Steine auf den Gräbern.

Danach besichtigten wir noch ein Denkmal, bestehend aus mehreren metallenen Stühlen auf einem großen Platz in der Innenstadt. 

Die letzte Attraktion war der Besuch des jüdischen Museums in Krakau. Dort wurde uns kurz vor dem Besuch gesagt, dass diese Führung mit einem Zeitzeugengespräch enden wird. Die eigentliche Führung war unverständlich und simpel. 

Wir erfuhren von einer ehemaligen Auschwitz-Insassin etwas über ihr Schicksal. Es wurde jedoch schnell deutlich, dass sie ihre Geschichte nicht zum ersten Mal erzählte und es wirkte sehr einstudiert. Da die Zeitzeugin kein Englisch konnte, wurde uns ihr Erzähltes von einer jüngeren Mitarbeiterin übersetzt. Wie schon gesagt wirkte das "Gespräch" eher wie ein einstudierter Monolog und wir gingen mit gemischten Gefühlen aus diesem Museum hinaus.

Den Tag abgeschlossen haben wir mit einem gemeinsamen Abendessen mit den Engländern. 

 

Alles in allem war der erste richtige Tag durchgeplant und wir hatten das Gefühl, dass durch das etwas missglückte Zeitzeugengespräch eine große Austauschmöglichkeit ausblieb.

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Als wir im jüdischen Museum die kurzfristige Nachricht erhielten, eine der jüngsten Zeitzeugen zu treffen die den Holocaust überlebt hat, freute ich mich sehr, da es erstens nur noch wenige Zeitzeugen aus jener Zeit gibt und zweitens ich noch nie einen Holocaust-Überlebenden getroffen habe. Auf mich wirkte die Frau in ihrer Erscheinung wie jede andere ältere Frau in ihrem Alter. Sie hatte eine Dauerwelle mit weißen Haaren und eine Brille. Sie wirkte auf mich wie die „Oma“ von neben an, so als ob sie auch meine Oma hätte sein können. Doch sie war eben nicht eine ganz normale ältere Dame.

Für mich war das „Zeitzeugengespräch“ eigentlich kein richtiges Gespräch, da keine Fragen gestellt wurden und sie „nur“ ihre persönliche Geschichte erzählte. Ihre Erzählung wirkte auf mich sehr stark einstudiert. Nach dem Gespräch wurde mir auch klar, warum keine Fragen „erlaubt“ wurden und warum die Frau ihren Text so gut beherrschte. Zeitzeugen waren mir bisher nur aus dem Fernsehen bekannt. In einigen Berichten brachen die Zeitzeugen sogar in Tränen aus. Daher war ich sehr gespannt, was unsere Zeitzeugin für Emotionen zeigen würde.

Nach dem Zeitzeugengespräch entstand für mich das Gefühl, dass sie immer noch sehr stark betroffen ist und die erlebten Geschehnisse noch nicht verarbeitet hat, wie auch. Dies wurde an einigen Stellen sehr deutlich. Sie wurde damals zusammen mit ihrer Mutter ins Lager Birkenau gebracht.

So berichtete sie, dass sie sich nicht mehr an das Gesicht ihrer Mutter erinnern kann, sondern nur an die Hände ihrer Mutter, die ihr am Abend immer ein wenig Essen zusteckten. Als sie dies erzählte weichte ihre souveräne Erzählhaltung auf. Ich habe immer noch ihren Blick in den Augen. Dieser weckte in mir ein zu tiefst betroffenes Gefühl voller Traurigkeit. Außerdem zeigte sie uns ihre Registrierungsnummer, welche auf ihrem linken Arm tätowiert wurde. Man konnte die einzelnen Ziffern fast kaum erkennen, da die ältere Dame ihren Arm schnell wieder bedeckte. Auf mich wirkte es so, dass die ständige Erinnerung an das Erlebte für sie kaum erträglich ist.

Als wir vor dem Museum warteten, verließ auch die ältere Dame das Museum. Mit kleinen und etwas ängstlich wirkenden Schritten verschwand sie in der Stadt Krakau. Sie wirkte anfangs wie eine ältere „Oma“ – eine ältere Oma, die keine einfache Oma ist und es auch niemals sein wird. Auf dem Weg zu unserem Hotel wurde mir klar wie grausam und unvorstellbar die erlebten Geschehnisse sein mussten, da die ältere Frau auch nach 70 Jahren das Erlebte nicht verkraftet hat.

 

 

 

3. Tag: Auschwitz

Der Tag beginnt mit einem diesmal sehr frühen Frühstück (ca. Viertel vor sieben) und einigen Tassen Kaffee, da so ziemlich jeder einfach zu müde war. Nach einigem warten in der Hotellobby kommt der Bus unserer britischen Kollegen um uns nach Auschwitz mitzunehmen.

Nach einer etwas mehr als einstündigen Fahrt in dem etwas engen und viel zu stark beheizten Bus kommen wir an. Die ersten aber so ziemlich einzigen Komplikationen entstehen am Metalldetektor weil Mattis verplant seinen Gürtel auszuziehen.

Die ersten unterschwelligen Schuldgefühle kommen beim Anblick des Tores mit dem Schriftzug "ARBEIT MACHT FREI". Diese Gefühle werden allerdings schnell von Ekel und Unverständnis übertönt als ich die glücklichen Touristenschwärme Gruppen-Selfies unter eben diesem Tor machen. Wir treffen uns mit einem deutschsprachigen Guide der uns durch das Stammlager führt und im Detail erklärt welche Gebäude welche Funktion haben und unter welchen Umständen die Gefangenen dort leben und sterben mussten. Wir sehen Berge von Koffern, Schuhen (auch von Kindern) und Menschenhaaren. Blutverschmierte Häftlingskluft, Spielzeug, Familienfotos aber auch Berge leerer Zyklon-B Gefäße.

Nach einer halbstündigen Pause fahren wir mit dem Bus nach Auschwitz-Birkenau, wo wir zwischen den Ruinen zerstörter Krematorien stehen, welche sich mit den Baracken und den Bahngleisen auf einen Raum von zwei Quadratkilometern erstrecken. Zusammen mit der englischen Gruppe veranstalten wir eine Art Gedenk-Zeremonie welche aus zwei Schweigeminuten, englischen und deutschen Gedichten und einem Jüdischen Gebet.

 

 

 

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Individuelle Eindrücke Auschwitz

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Besonders an der Führung durch Ausschwitz war für mich das Ende in Birkenau. Dort gab es eine Ausstellung mit persönlichen Bildern der verschiedenen NS-Opfern. So gab es beispielsweise Urlaubs- und Familienbilder von den Lager-Insassen. Ein Bild traf mich dabei besonders. Es zeigt ein Ehepaar bei ihrer Hochzeit, welches in einem seitlichen Profil fotografiert worden ist. Es berührte mich deshalb, weil meine Eltern ein fast identisches Hochzeitsfoto besitzen und die Ehefrau eine gewisse Ähnlichkeit mit meiner Mutter aufwies. Die Bilderreihe schaffte dadurch eine starke Identifikation zu den Insassen des Lagers. Für mich entstand dabei der Gedanke, wie grauenhaft es sein müsste, wenn meine eigenen Eltern in Ausschwitz brutal ermordet wurden wären.

Eine weitere Verdeutlichung der entsetzlichen Greul der Nationalsozialisten wurde für mich im Stammlager in Ausschwitz geschaffen. Das in ein Museum umgeformte Lager war aber für mich kein einfaches Museum zur NS-Zeit. In verschiedenen, bis heute erhaltenen, Gebäuden des Arbeitslagers wurde ein Teil der persönlichen Gegenstände der Lagerinsassen ausgestellt. Ein „Gegenstand“ war dabei sehr skurril und in seiner Abscheulichkeit nicht zu übertreffen. Es wurden ein Teil der abgeschorenen Haare der Lagerinsassen ausgestellt. Zur Zeit des 2. Weltkrieges wurden die Insassen mit sehr stumpfen Rasierklingen enthaart. Diese Haare wurden dann in Deutschland für beispielsweise Kleidung verwendet (unter anderem für das Futter in den Wehrmachtsuniformen). Allein das ist für mich unvorstellbar. In den ausgestellten Haaren, welche in etwa das Volumen eines ganzen Klassenzimmers einnahmen, erkannte man sogar noch ganze Zöpfe von einigen weiblichen Insassen. 

 

 

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Was Auschwitz für mich unvergesslich gemacht hat, War die Erkenntnis, dass die Nazis in jeder Situation des Alltages versucht haben, die Häftlinge zu schikanieren. Je mehr ungemütliche Details ich erfahren habe, desto größer wurde das Verlangen mich von diesen Taten zu distanzieren. Ich entwickelte schnell eine Art Hass gegenüber den Täter und ich stellte mir oft die Frage was ich wohl tun würde wenn mir einer von diesen gegenüber stehen würde. Des Weiteren wurde mir durch die Besichtigung Birkenaus erst bewusst, was für ein enormes Ausmaß der systematischen Vernichtung vorherrschte. Es wirkte so, als wäre Auschwitz für die Nazis mehr eine organisierte Industrie als alles andere. Alles in allem hat die Besichtigung Auschwitz gezeigt dass Menschen in der Lage sind unmenschliche Dinge zu tun und wie wichtig es für uns ist zu verhindern dass so etwas noch einmal passieren kann. Ich empfehle jedem Auschwitz zu besichtigen wenn er die Möglichkeit dazu hat.

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Am meisten berührt hat mich an dem Besuch von Auschwitz die Größe des Vernichtungslagers Birkenau. Diese wurde beim Betreten des Torhauses deutlich. Alleine das Frauen-KZ hatte die Größe von mehreren Fußballfeldern, machte aber insgesamt nur ca. ein Drittel des gesamten Komplexes aus. Des Weiteren hatte ich ein merkwürdiges Gefühl bei der Besichtigung des Krematoriums und der Gaskammer im Stammlager Auschwitz 1. Es war erschreckend zu realisieren, dass dort vor 70 Jahren mehrere tausend Menschen getötet wurden. Geschockt war ich beim Anblick der mehreren Tausend Kinderschuhen, die in einem Block des Stammlagers ausgestellt sind und noch einmal die Skrupellosigkeit der SS verdeutlichten. Insgesamt habe ich Auschwitz mit gemischten Gefühlen verlassen, einerseits mit neuem Wissen über die Vernichtungspolitik der Nazis und andererseits geschockt von den Ausmaßen des Lagers und der Brutalität der Nazis.

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Auschwitz verdeutliche mir nochmal die grausam die Nazis gehandelt haben Die Taten und das damit verbundene grauen sind greifbarer geworden, ausschwitz ließ mich Geschichte ein Stück weit Haut nah erleben und lieferte so die Bilder zu den geschriebenen Buchtexten. Die meiste Zeit auf der Führung fühlte ich nichts. Dies änderte sich aber als wir die Sanitär Baracken in Birkenau betraten. Dort erfuhren wir das die gefangen nur 10 Sekunden hatten ihre Notdurft zu verrichten, oder sonst heftig geschlagen worden wären, was bei der Tatsache dass alle an Durchfall litten besonders krass ist 10 Sekunden, das ist wirklich grausam. Vielleicht gibt es Dinge, welche grausamer sind. Doch diese Tatsache (10 Sekunden) waren für mich der Zündfunken, welcher mich Entsetzen über solche Grausamkeit empfinden ließ.

4. Tag: Treffen mit den englischen und polnischen Kollegen

Nach dem Frühstück versammelten wir uns und besprachen die Eindrücke und ggf. neuen Erkenntnissen des gestrigen Tages. Wir waren noch sehr überwältigt vom Ereignis, obgleich wir alle die Erfahrung sehr unterschiedlich wahrgenommen und verinnerlicht haben. Uns wurden auch Fragen vorgelesen, zu denen wir uns schon mal einige Gedanken machen sollten.

Wir brachen dann auf und gingen zu Fuß zur polnischen Schule "Jan III Sobieski", wo wir die Engländer antrafen und gemeinsam durch eine unscheinbare, schlichte Tür eines Altbaus in eine riesige, volle Schule eintraten und im zweiten Stock ein großes Klassenzimmer betraten, das mit der hohen Decke und den goldenen Ornamenten an den Wänden und Wandsäulen eher wie ein Königssaal wirkte. Zunächst stellten wir uns unsere Schulen und Ortschaften vor, bevor wir uns in Gruppen aufteilten und die Fragebögen bekamen, mit den Fragen zu denen wir uns bereits einige Gedanken gemacht hatten.

Wir sprachen über Vorurteile, die in anderen Ländern gegenüber unseren herrschen und über Minderheiten und deren Behandlung in unseren Ländern. Wir besprachen den Gedanken, in ein anderes Land zu ziehen und eventuelle Gründe, die dafür oder dagegen sprachen. Natürlich brachten wir auch unsere Eindrücke von Auschwitz erneut zum Ausdruck. Die Flüchtlingsfrage war auch ein zentrales Thema unserer Diskussion und wir alle stellten auch Bezüge zwischen der modernen Krise und dem Nationalsozialismus dar. Wir fragten uns aber auch eigene Fragen und interessierten uns für das Leben und den Gegebenheiten der Schüler in den anderen Ländern: es war unglaublich, wie viel man in einer halben Stunde über das Leben in einem anderen Land erfahren hatte, wie viel man über andere Menschen und deren Eindrücken und Sichten gelernt hatte! Die Gespräche waren sehr interessant, zumal nicht alle Gruppen (die aus jeweils einem Deutschen, einem Engländer und zwei Polen bestanden) sich stets einer Meinung waren. Es war erstaunlich wie viel die Länder und Kulturen aber doch miteinander gemeinsam hatten — es war viel erstaunlicher, als die Unterschiede. Wir stellten unsere Diskussionsergebnisse anschließend kurz vor und begaben uns dann in den Gruppen auf eine Besichtigungstour in die Gänge des riesigen Gymnasiums.

In einem nahe gelegenen Restaurant aßen wir dann zu Mittag. Vom Restaurant wurden wir von den polnischen Schülern abgeholt und ordneten uns neu, in größere Gruppen, um dann in die Stadt aufzubrechen und das Krakau kennen zu lernen, dass die Krakauer Schüler kannten. Sie zeigten uns einige besondere Orte, erzählten uns über Legenden, oder führten uns zu ihren Lieblingsgeschäften oder Restaurants. Wir lernten sie so viel besser und näher kennen, zumal wir auch ordentlich Gelegenheit hatten, uns über Persönliches zu unterhalten, statt nur über Geschichte und Politik.

Wir wurden äußerst herzlich von den Polen empfangen, herumgeführt und schließlich gegen halb sechs verabschiedet, wo wir uns auch von den Engländern verabschieden mussten, die dann zum Flughafen aufbrachen, das aber nicht, ohne vorher Facebook Namen oder Telefonnummern auszutauschen! Nach einem etwas emotionalen Abschied, waren wir Deutsche dann unter uns, und zum ersten Mal durften wir Schüler entscheiden, wo und was wir essen wollten. Da wir ja in Polen waren, gingen wir in einen amerikanischen Burger Laden!

 

 

5. Tag: Blog-Optimierung und Freizeit

 

Nach vier anstrengenden Tagen erhielten wir heute Zeit, um den Blog zu füllen und zu tun was wir wollten. Wir durften also ausschlafen und trafen uns nach dem Frühstück zu einer kurzen Besprechung. 

Ehrlich gesagt tat dies gut, auch mal zur Ruhe zu kommen. Während der Arbeit am Blog konnten wir auch Auschwitz für uns persönlich verarbeiten und reflektieren.

Mittags trafen wir uns nochmals zur Besprechung und gingen dann Mittagessen. Den Nachmittag über hatten wir ebenfalls frei, lediglich abends waren wir verpflichtet, zum gemeinsamen Abendessen zu erscheinen. Als Belohnung für die gute Organisierung und Arbeit als Begleiter der Fahrt, überließen wir Herrn Cramer die Wahl des Restaurants. Letztendlich landeten wir bei einem Engländer und einige aßen natürlich Fish & Chips.

Nach dem Abendessen wurden wir wieder uns selber überlassen und irrten durch den mittlerweile entstandenen Smog größtenteils zurück in unser Hotel um dort den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen.

Heute gibt es auch mal keine Bilder, wirklich Interessantes ist ja auch nicht passiert. 

6. Tag + : Wawel und Goodbye Krakau

 

 

Heute war der letzte Tag in Krakau, bevor es für uns zurück nach Deutschland ging. Wir mussten schon früh auschecken und lagerten unser Gepäck im Hotel, um ein letztes Mal in die Innenstadt aufzubrechen.

Der Tagespunkt heute: Besichtigung des Wawel 

Um diesen zu erreichen, gingen wir ungefähr 20 Minuten durch den Kern Krakaus, in welchem sich auch der Wawel befindet. Dort angekommen besorgten wir uns Tickets für mehrere Räume in der ehemaligen polnischen Königsresidenz. Alle Räume waren im Übermaß geschmückt und mit allen möglichen Kunstwerken versehen. Leider durfte man keine Bilder machen, jedoch gibt es im Internet mehrere Bilder um einen Eindruck vom Wawel zu bekommen.

Es lässt sich auf jeden Fall sagen, dass der Wawel ein architektonisches Meisterwerk ist. Über mehrere Jahrhunderte wurde stets etwas dazu gebaut. Sogar die Nationalsozialisten unter Hans Frank bauten einen Teil dazu, der jedoch direkt nach Ende des Krieges wieder zurück gebaut wurde. Dies hat zur Folge, dass man klar verschiedene Epochen mit ihren Baustilen erkennen kann. Vor allem die Kathedrale, in der früher die polnischen Könige gekrönt wurden und jegliche Zeremonien abgehalten wurden, verdeutlichte dies. Von Gotik über Barock bis zur Renaissance sind alle Stile vertreten.

Nach der Besichtigung des Wawel hatten wir dann individuell noch einmal Zeit, um uns von Krakau zu verabschieden. Abends trafen wir uns wieder in der Lobby, um zum Flughafen aufzubrechen.

 

Dann mal auf zur Haltestelle. Lieber zu früh als zu spät, wird von einem Schüler gepredigt. Der Besagte schreibt gerade diesen Blog und schoss die Fotos. Im Nachhinein ärgert er sich, denn wir warteten einige Minuten im Smog und den sinkenden Temperaturen Krakaus auf den Bus. Die Fahrkarten mussten wir im Bus kaufen, einzig Herr Cramer war so schlau und hat sich vorher ein Ticket gekauft. Der Rest musste nun während der wilden Fahrt über die schlechten Straßen Krakaus ein Ticket lösen und nebenbei irgendwie das Gepäck daran hindern, sich selbständig zu machen. Unterwegs unterhielten wir uns über den Smog und freuten uns wieder nach Hause zu fliegen, auch wenn die Zeit in Krakau bleibende Eindrücke hinterlassen wird und einige neue Freundschaften mit den Engländern und Polen schließen konnten.

Angekommen am Flughafen ging es direkt zum Check-In und danach zum Gate. Der Smog wurde immer dichter und die ersten Flüge wurden gestrichen, wir wussten jedoch nicht, dass dies auf Grund des nebligen Wetters und Smogs geschah. Nach relativ kurzer Zeit machte sich ein komisches Gefühl breit und passend dazu wurde der Abflug erst um eine halbe und dann um eine ganze Stunde nach hinten verschoben. Just in dem Moment wo alle abholenden Eltern informiert waren, fanden wir im Internet heraus dass der Flug gestrichen wird.

Ernüchterung machte sich breit und einige zogen Gesichter bis nach Meppen. Aber was soll man machen? Wir warteten auf weitere Informationen und gingen dann auf Aufforderung zum Check-In Schalter, wo wir erfuhren, dass bereits ein Hotel gefunden wurde und der Bus gleich abfährt. Wir sicherten uns unsere Plätze und gingen in Bus. Unterwegs merkten wir, wie verschmutzt die Luft war. Die Fahrt dauerte nicht lange, aufmerksame Leute bemerkten, dass wir in die Krakauer Innenstadt fuhren. Dort wurden wir dann auch aus dem Bus geworfen und jedem viel die Kinnlade herunter.

Der Name unserer Unterkunft war Shareton. Es lag direkt am Wawel, welchen man im Smog erahnen konnte, und war kein Hotel Delta, Gamma oder Beta. Es war ein Alpha Hotel. Das Sheraton hat nämlich 5 Sterne. Easyjet hat uns dort All Inclusive Zimmer besorgt. So ging es nach dem beziehen der Zimmer, mittlerweile war es nach Mitternacht, in die Sportbar, wo wir zusammen als Gruppe noch etwas „kleines“ aßen. Hier konnte auch keiner irgendwas bemängeln, lediglich dass wir nächsten Morgen bereits um 8 wieder zum Flughafen gebracht werden sollten. Aber was soll’s, 5 Sterne Hotel und man muss nichts zahlen. So genoss nach dem Essen noch jeder für sich und auf seine eigene Art die letzten Momente in Krakau. Das Frühstück überforderte viele und so aßen die meisten nicht viel und auch nichts Spezielles…man wusste auch nicht, was man nehmen soll. Die Auswahl war einfach zu groß. First world problems.

Um 8 ging es dann mit etwas Verspätung zum Flughafen wo wir erfuhren, dass unser Flug wieder um eine halbe Stunde verschoben wurde. Diesmal blieb es jedoch auch bei einer halben Stunde und wir konnten, mit etwas Verspätung, nach Hause fliegen.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Till Petersen