35 Jahre Schulsanitätsdienst

Rund 30 ausgebildete Jugendliche helfen in der Not / Projekt besteht seit 1977

Verletzt? Die Schulsanitäter an der Eichenschule helfen!

Scheessel - Von Lars Warnecke

Wenn in der Eichenschule jemand, sagen wir mal, Nasenbluten bekommt, ist er oder sie bei den Mitschülern vom Schulsanitätsdienst in den besten Händen. Rund 30 Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 11 sind täglich im Einsatz, von der ersten bis zur siebten Stunde. Dabei regelt ein Plan, wer an welchem Tag Dienst hat. Wird jemandem übel, braucht jemand ein Pflaster oder sogar eine Erstversorgung nach einem schlimmen Sturz, bekommen die Diensthabenden per Schulklingel ein Signal, verlassen den Unterricht und helfen.

„Verarzten“ für das Foto auch schon mal ihre eigenen Lehrer: die Schulsanis Neele (v.l.), Greta, Stella, Sarah, Carolin und Lea mit den Leitern Thomas Hellmann (l.) und Eckart Fründ. ·

© Foto: lw

„Verarzten“ für das Foto auch schon mal ihre eigenen Lehrer: die Schulsanis Neele (v.l.), Greta, Stella, Sarah, Carolin und Lea mit den Leitern Thomas Hellmann (l.) und Eckart Fründ.

„Das Geklingel kann bei einer Schule mit 1000 Schülern zwar manchmal etwas nerven“, sagt Eckart Fründ, „aber dadurch wird das Problem erkrankter Schüler auch nicht in eine Grauzone gedrängt, in der sich sonst gerne ,punktuell Erkrankte’ einfinden.“ Der Lehrer weiß wovon er spricht. Immerhin leitet Fründ den Eichenschul-Sanitätsdienst schon seit 22 Jahren, und damit ein Jahr länger als sein Lehrerkollege Thomas Hellmann, der sich ebenfalls der Betreuung und medizinischen Ausbildung der Jugendlichen verschrieben hat. Auf professionelle Füße gestellt worden sei der Dienst jedoch schon sehr viel länger, erzählen die beiden – damals, im Jahr 1977, durch den Lehrer Ulrich Hensel.

War vor 35 Jahren ein Schulsanitätsdienst hierzulande noch nahezu einzigartig, ist er heute in vielen Schulen anzutreffen. Dennoch, betont, Eckart Fründ, hätten sich im Laufe der Jahre gewisse Dinge bewährt, die den Eichenschulsani von anderen deutlich unterscheidet. „Auf ein fünfmaliges Klingeln des Schulgongs hin eilen die diensthabenden Schüler zu unserem Saniraum und treffen dort in der Regel auf ihren verletzten oder erkrankten Mitschüler“, erklärt Thomas Hellmann. „Hier wird die Erstversorgung, Verbände anlegen, Kühlmittel ausgeben oder Fieber messen geleistet.“ Auch Eltern, Arzt oder Krankenwagen würden von hier aus benachrichtigt. „Danach“, ergänzt Eckart Fründ, „übergibt der Sani die weitere Betreuung einem Mitschüler und geht zurück in den Unterricht.“ In schwierigen Fällen, erklärt er, könnten durch ein erneutes Klingelzeichen zwei Ober-Sanis, also Schüler der elften Klasse mit langjähriger Erfahrung, oder die Leiter selbst zur Hilfe gerufen werden.

„Nicht zuletzt aufgrund ihrer guten Ausbildung genießen die Schulsanitäter großes Vertrauen an unserem Gymnasium“, berichtet Fründ stolz. Jeweils zu Schuljahresbeginn würden die jungen Leute an einem Lehrgang teilnehmen, um zu lernen und auf dem Laufenden zu bleiben.

Neue Erfahrungen zu sammeln und medizinisches Wissen zu erreichen ist das eine. „Aber es ist auch im Team richtig schön“, sagt Schulsani Neele. „Wir sind auch alle gut befreundet.“ Mitschülerin Carolin, die sich in ihrer Freizeit beim Roten kreuz engagiert, kann sich gut vorstellen später beruflich „mal etwas in der Richtung zu machen“. Und Lea erzählt, sie habe bereits im Krankenhaus ein Praktikum absolviert. Für einige ist längst klar, dass sie später einmal Medizin studieren möchten.

Dass ihr Sanitätswissen im Notfall sitzt, konnten sie erst unlängst wieder unter Beweis stellen. So haben die Jugendlichen vor einigen Wochen einen Mitschüler, der sich im Sportunterricht die Hand gebrochen hatte, kompetent versorgt und so gut vorbereitet an die Profis vom Rettungsdienst übergeben, dass der diensthabende Notarzt den professionellen Einsatz der Schüler ausdrücklich lobte.

„Es ist auch im Team richtig schön“

Rotenburger Kreiszeitung vom 01.12.2012