Ferien einmal selbst gemacht

Sprötze neue Heimat - neuer Kult

 

Nach langem Zögern - schließlich war „Inzmühlen“ schon KULT und eines DER Profile der Eichenschule - haben wir, nein – MUSSTEN wir uns im Jahre 2015 entscheiden, wie es weitergehen sollte. Mehr noch, es ging sogar darum, OB es überhaupt weitergehen sollte.

 

Die Entscheidung wurde nötig, weil sich der DJH-Verband Nordmark entschieden hatte, die Herberge in Handeloh zu schließen. Die Gründe sollen hier jetzt nicht noch einmal kritisch dargelegt werden.

Fakt blieb, UNSERE Herberge stand uns nicht weiter zur Verfügung und auch der neu gegründete Förderverein zur Erhaltung dieses jugendpädagogischen Anlaufpunktes konnte (noch) keine Perspektive eröffnen, ob, und wenn ja wann das Haus wieder für Maßnahmen wie der unseren zur Verfügung stehen könnte.

 

So blieb nur die Entscheidung zwischen: erst mal aussetzen und abwarten, oder sich nach einer neuen, ebenfalls geeigneten Unterkunft umsehen, um nahtlos an die Tradition wenigstens anknüpfen zu können.

Wir machten uns also auf die Suche und fanden, bei vielen vergeblichen Versuchen, letztlich auf Anraten aus der alten Herberge eine „Möglichkeit“.

Nach langen Abwägungen haben wir uns dann für dieses Haus entschieden, in dem wesentliche Merkmale unserer Wunschliste erfüllt zu werden schienen. Allerdings gab es auch mehr als nur einen Grund, die Tauglichkeit doch in Zweifel zu ziehen.

Also galt es mit der Hausleitung und dem Verband der deutschen Schreberjugend Hamburg in Verhandlungen zu treten. Die vielen einzelnen „Knackpunkte“ werden auch den geneigten Leser vermutlich kaum interessieren, wichtig bleibt:

Sehr großes Entgegenkommen des Verbandes, des Hauses, seiner Leitung und der Mitarbeiterinnen waren nötig, um eine Basis zu schaffen, auf der wir uns eine erfolgreiche Anknüpfung an die vergangenen 17 Jahre in Inzmühlen vorstellen konnten. Und erstaunlich – das Entgegenkommen war sogar noch viel größer, als in den optimistischsten Träumen erhofft. So wurden von dort „für unsere Zeit“ schon gebuchte Gruppen umgeleitet, bauliche Veränderungen am Haus vorgenommen und übliche Nutzungsgewohnheiten erheblich über den Haufen geworfen. Wir erhielten ungemein viel freie Hand für unser Projekt. Und auch finanziell - eine der bekanntlich großen Hürden unserer Zeit - wurden wir uns sogar erstaunlich schnell einig.

In dem Zusammenhang sei auch einmal darauf hingewiesen, dass ohne die finanzielle Unterstützung von Landkreis, Vorstand der Schule und vor allem auch dem Freundeskreis der Eichenschule, getragen von Ehemaligen und aktiven Genossen, unser Projekt so gar nicht durchführbar wäre.

Also konnte es losgehen mit Planung und Organisation. Wie gesagt, sehr vieles war aufregend, weil neu und schwer kalkulierbar. Der Bau eigener Betten (20 Stück fehlten für unsere erwartete Anzahl an Teilnehmern und der entwickelten Unterbringungs-Konzeption) füllte die Weihnachtsferien, ab Januar wurden diverse Transporte durchgeführt und natürlich gab es immer wieder Besprechungen und Planungstreffen.

Ein großes Problem schien sich im Dezember zu stellen – die Anmeldezahl blieb erheblich hinter den Erwartungen zurück. Aber dann kam doch noch ein unerwarteter aber erfreulicher Schub von Nachmeldungen, die schlicht den Termin übersehen hatten oder nur zögerlich Entscheidungen treffen wollten. Ein offenbar zunehmend wachsendes Problem unserer Zeit.

Schließlich standen 131 Schüler auf der Anmeldeliste. Es konnte losgehen, wobei einer sogar auf der Warteliste Platz nehmen musste, weil für ihn beim besten Willen kein Bett mehr irgendwo angemessen aufzustellen war. Sein Problem löste sich eine Woche vor Abfahrt, da ein anderer passen musste.

 

So war es dann am 11. März soweit, es ging los. Leider hatte uns die Grippewelle erwischt und einige konnten erst - bis zu 7 Tage - später „nachgeliefert“ werden. Dennoch, die Stimmung war erwartungsfroh und das Wetter für unsere Zwecke gut – Fahrradtour stand auf dem Plan.

Wie immer mit dem eigenen Gepäck, ABER - die letzten 10 Kilometer wurden unsere Mutigen von Selbigem befreit, um ab der Kampener Mühle „erleichtert“ die letzte Etappe anzugehen. Das war auch nötig, hieß es doch durch unwegsames Gelände sich fast bis zur „Spitze“ des Brunsberges hoch zu kämpfen, denn kurz davor lag unser Quartier.

Alle kamen ermüdet, aber nicht müde, dort an und bezogen, als schließlich das Gepäck geliefert wurde, ihre Zimmer. In einigen Räumen wurde es eng, üppig Platz hatte wohl keiner. Aber bekanntlich ist das ja durchaus Teil des Konzeptes: mit Wenigem auskommen und dabei erkennen lernen, dass unser gewohnter Luxus für eine Zeit erfüllten Lebens nicht wirklich notwendig ist.

Ja im Gegenteil, zu erspüren, zu er-LEBEN, dass erfolgreiche Gemeinschaft nur durch die aktive Beteiligung ALLER gelingen kann. Das heißt: sogar in der Freizeit Arbeit – und das auch noch ohne Bezahlung. Dazu bedarf es des Engagements der Beteiligten, wünschenswerter Weise aus Erkenntnis und Einsicht heraus und nicht durch äußeren Druck erzeugt.

Für diese Erkenntnis-Bereitschaft, so mein Eindruck, muss von Jahr zu Jahr mehr Aufwand getrieben werden. Denn selbstverständlich (?) ist das heute den wenigsten Kindern noch bekannt, und auch die für derartige Notwendigkeiten erforderliche Kreativität hält sich in engen Grenzen.

Dennoch – die 14 Tage waren geprägt von vielen, dabei auch positiven Erlebnissen. Besonders die Betreuer und die Leiter sahen sich allerdings aufgrund der neuen Bedingungen auch vielfältigen unbequemen Herausforderungen gegenüber, die es neu zu bewältigen galt. Bei allen Widrigkeiten mancher Situation wurden die Aufgaben dennoch im gemeinsamen Bemühen, das Projekt auch am neuen Ort erfolgreich und begeisternd „ankommen“ zu lassen, gelöst. Und alle Teilnehmer waren mit mehr oder weniger Eifer und Freude dabei.

 

Ja, letztlich konnte man feststellen: In vielen Belangen ist der neue Ort sogar besser für unsere Pläne geeignet/nutzbar als der alte.

Einen Neuanfang zu wagen, kann also große Chancen bieten. Wichtig nur – das entscheidende Anliegen darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Dieser Gefahr sahen wir uns in den vergangenen etwa 4 Jahren, vermutlich auch zeitgeist-bedingt, mehrfach ausgesetzt. In den letzten Jahren von Inzmühlen war dies neben typischen Zeitgeist-Problemen vermutlich der Gewohnheit geschuldet, in diesem Jahr der Neugewöhnung haben wohl der Reiz des Neuen und die herausfordernden Probleme am neuen Ort den Blick auf das Wesentliche zunächst etwas verstellt.

Die „Stolpersteine“ in diesem Jahr dürften uns vermutlich durch heilsame „Geräusche“ wachgerüttelt und auf den wertvollen Weg zurückgebracht haben. Jedenfalls sind viele der erfahrenen Betreuer und die Leiter der Maßnahme in dieser Hinsicht guter Dinge.

So steht einer Wiederholung – und nicht nur im nächsten Jahr, sondern auch eine weitere Tradition bildend – hoffentlich nichts im Weg. Zumindest das Betreuerteam, und - nach einer unverbindlichen Abfrage bei den Kindern - auch weit mehr als 90% dieser Mitreisenden, hegen einen solchen Wunsch.

 

Also ist die „Tradition Inzmühlen“, was den Ort und direkten Namen anbelangt, wohl Vergangenheit. Die Idee aber erlebt vielleicht sogar eine erfreuliche Renaissance am neuen Ort, findet eine neue Heimat und bildet einen neuen KULT!?

Hoffen wir auf das Beste.

John Köhler und Team