Studienfahrt nach Krakau 2018

Auf die Frage „Wie war es in Krakau?“ findet man keine geeignete Antwort. Man könnte „schön“ oder „gut“ antworten, das würde die Fahrt im Allgemeinen zwar sehr gut beschreiben. Auf der anderen Seite kann es auch schnell missverstanden werden, wenn man bedenkt, mit was für einem Thema sich die 14 freiwillig gemeldeten Geschichtsleistungskursschüler des 12. Jahrgangs fünf Tage lang auseinandergesetzt haben. Die begleitenden Lehrer waren Frau Billie Janssen und Frau Klindworth. Unterstützt wurde unsere Fahrt vom Freundeskreis der Eichenschule.

Am Montag, den 15.10.2018, kamen wir spät abends nach einem schnellen Flug und einer längeren Busfahrt in Krakau in unserem Hotel an. Nach einem schnellen Frühstück am nächsten Morgen startete unsere Studienreise mit der Besichtigung der Innenstadt von Krakau. Wir gingen durch das jüdische Viertel Kazimierz, besuchten eine eindrucksvolle Synagoge, natürlich mit dem religionsgerechtem Kleidungsstil (also die Kopfbedeckung „Kippa“ für alle Männer), und den verwunschenen jüdischen Friedhof daneben. Während der vielen und auch neuen Eindrücke, lauschten wir gespannt unserer Stadtführerin, die uns auf Deutsch einige interessante Fakten bieten konnte. Nach weiteren Einblicken in die mittelalterliche und zugleich wunderschöne Stadt Krakau und einer kurzen Mittagspause, gelangten wir auf den „Platz der Ghettohelden“ und dem dahinterliegenden ehemaligen Ghetto. Dies war die erste richtige Konfrontation mit dem eigentlichen Thema unserer Studienfahrt: dem Nationalsozialismus. Weiter führte unsere Führung bis zum Schindler Museum, einem der originalen Drehorte des berühmten Filmes „Schindlers Liste“. Im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Emaille-Gefäß-Fabrik von Oskar Schindler befindet sich eine Abteilung des Historischen Museums der Stadt Krakau. Das eindrucksvolle Museum zeigt die Geschichte Krakaus in den Jahren 1939 – 1945.

Am nächsten Tag kam einer der Höhepunkte unserer Reise. Früh morgens um 06.00 Uhr saßen wir mit unseren Lunchpaketen in dem Bus, der uns zu dem ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz bringen sollte. Es war ein wunderschöner Herbsttag und die Sonne glitzerte durch die Baracken des Stammlagers, sodass man nicht glauben konnte, dass hier Millionen von Menschen vor gar nicht allzu langer Zeit ermordet wurden. Knapp acht Stunden hielten wir uns an diesem Ort auf, für dessen Beschreibung und die Taten, die dort vollbracht wurden, es keine passenden Worte gibt. Zuerst im Stammlager, dann im etwa fünf Kilometer entfernten Auschwitz Birkenau, wurden wir mit unendlichen Zahlen und Wörtern wie „Massenmord“, „Folter“, „Vergasung“, „Tod“, „Judenvernichtung“ und weiteren konfrontiert. Es ist und wird für immer ein Ort des Todes, des Leidens und der Trauer bleiben. Detailliertere Beschreibungen des Ortes gehören hier nicht her, trotz allem kann man sagen, dass unsere deutschsprachige Führung sehr interessante, aber auch bedrückende und traurige Momente mit sich gebracht hat. Das Gefühl des Unbehagens machte sich schon am Anfang beim Durchschreiten des bekannten Lager-Tores mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ breit. Umzäunt von einem furchteinflößenden Stacheldrahtzaun besichtigten wir mehrere verschiedene Museen, die einem die Geschichte des Ortes näherbringen und zum Nachdenken anregen.

In Birkenau, welches fast ausschließlich als Vernichtungslager galt, änderte sich das Gefühl bei uns allen unterschiedlich. Von einem alten Wachturm aus kann man die erschreckenden unendlichen Weiten des Lagers sehenund es wurde einem klar, welches gigantische Ausmaß die unmenschlichen und barbarischen Taten der Nationalsozialisten hatte. Nach vielen weiteren Einzelschicksalen und von uns allen unterschiedlich verarbeiteten Eindrücken veranstalteten wir eine kurze Gedenkzeit beim Denkmal in Birkenau. Dann fielen wir alle erschlagen und müde in unsere Sitze im Bus zurück.

Der zweite Höhepunkt unserer Fahrt war das Treffen mit gleichaltrigen polnischen Schülern in deren Schule am nächsten Tag. Wir hatten die Chance, uns mit ihnen über politische aber auch andere Themen unterhalten zu können. Die eigentliche Idee, aus der Fahrt einen Austausch mit polnischen, deutschen und englischen Schülern zu machen, klappte bei uns aus organisatorischen Gründen leider nicht. Dennoch war es sehr interessant, manche Einsichten und Gedanken der polnischen Schüler zu erfahren. Nach einer kurzen Besichtigung des Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau, trennten sich abends zum letzten Mal auf der Studienreise unsere Wege von denen der Lehrer.

Am nächsten Tag hatte sich schon so eine Aufbruchsstimmung breit gemacht, dass die Führung durch das kommunistische Viertel Nova Huta für einige von uns nicht mehr die erwartete Aufmerksamkeit erregte.

Erst beim Erzählen zurück in Deutschland begann die wirkliche Verarbeitung des Gesehenen und des Erlebten in einigen Köpfen.

Ob geschichtsinteressiert oder nicht, eine Studienfahrt nach Krakauund besonders nach Auschwitz ist sehr zu empfehlen. Es ist nicht für alle leicht, aber man sollte sich bewusst machen was damals passiert ist und zu was Menschen fähig waren und immer noch sind.

Lea Reibiger