Exkursion ins Mercedes-Benz Werk in Bremen
Der 28.01.2026 war ein historischer Tag für den Erdkunde LK des 12. Jahrgangs unter der Leitung von Frau Naber; denn, es ging auf die erste gemeinsame Exkursion!
Ziel des Ausflugs war das praxisorientierte Verstehen des Semesterthemas „Industrie im Wandel“. Und wo könnte man dies besser erreichen als beim Mercedes-Benz Werk in Bremen- Sebaldsbrück, ein Paradebeispiel, das zeigt, wie die Automobilindustrie heutzutage wirtschaftliche Herausforderungen und strukturelle Krisen bewältigt.

Nach einem filmischen Einstieg, bei dem uns unter anderem auch die Unternehmensgeschichte nähergebracht wurde, ging es in den Bus (natürlich von Mercedes !) auf unsere geplante Tour über das 1.390.000 m2 große Werksgelände. Vorbei an verschiedensten Fertigungshallen der einzelnen Produktionsstadien, zu der auch die immer noch verwendete, historische Halle 4 (ehemals Firma Borgward) als Geburtsstätte des heutigen Werkes gehört, bis in eines der Presswerke.
Kaum waren wir in der großen Halle, schon wurden wir mit einem lauten RUMMS begrüßt – der entstand durch stark komprimierten Aluminiumabfall aus dem Pressvorgang.
Dadurch roch es nicht nur nach Arbeit, sondern hörte sich auch so an.
Wir durften bestaunen, wie in einer imposanten Pressstraße aus einem scheinbar einfachen Stück Blech durch eine Art Stanzverfahren erste erkennbare Karosserieteile eines späteren Autos wurden – fast nach dem Rezept von Karl Friedrich Benz und Gottlieb Daimler. Die einzelnen, perfekt aufeinander abgestimmten, mehrere hundert Tonnen schweren Pressen reichen jedoch nicht allein. Maßgeblich entscheidend für eine ehiziente Pressstraße sind zahlreiche intelligente Roboter der Firma Kuka, die mithilfe von Saugnäpfen wie von „Zauberhand“ die Blechausschnitte von der einen, zur nächsten Presse übergeben. Kuka hat ihren Sitz in Augsburg und steht unter der Leitung chinesischer Investoren, wodurch die auch im Unterricht behandelte immer tiefgreifendere, interkontinentale Vernetzung wirtschaftlicher Aktivitäten verdeutlicht wird. Die ganze Pressstraße samt der zahlreichen Pressen befand sich im 1. Stockwerk – beeindruckend.
Eine kurze Busfahrt weiter, während der wir über die angeblich schier unendlichen Vorzüge, bei Mercedes-Benz zu arbeiten, aufgeklärt wurden, standen wir in der Halle der Endmontage – wieder im 1. Stock – als plötzlich LKWs an uns vorbeifuhren.
Wie sich herausstellte, liefern diese die benötigten Fahrzeugteile „just-in-time“; also gerade dann, wenn sie für den Einbau im jeweiligen Fahrzeug benötigt werden. Dabei sind die Lieferungen nicht nur zeitlich präzise auf den Produktionsablauf abgestimmt, sondern trehen auch exakt am vorgesehenen Einsatzort direkt am Fließband ein, wo die Fahrzeuge Station für Station weiterfahren. An jeder Stelle werden bestimmte Bauteile montiert, bis am Ende aus vielen Einzelteilen ein fertiger Mercedes entsteht.
Auf diesem Weg verlassen täglich rund 700 Fahrzeuge das Gelände, zu großem Teil über den eigenen Güterbahnhof auf dem Werksgelände. So kommen die Derivate EQE, SL, GT, C-Klasse und GLC vor allem über den PKW-Hauptumschlagplatz Bremerhaven in die ganze Welt!
Von den sinkenden Absatzzahlen und anderen Problemen der (deutschen) Automobilbranche in diesen Tagen wurde nicht gesprochen. Dafür kann scheinbar nur Mercedes weiße Türen bauen – es ist ja schließlich ein hochqualitativer Mercedes.
Ole Radoch, Lucas Rehmke-Demagny